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Energie aus Wildpflanzen gewinnen

11. Juni 2018


Nach einem Vortrag zum Wildpflanzenanbau im Januar 2018 besichtigten Vertreter der Meller Landwirtschaft, Biogasanlagenbetreiber, Jägerschaft Melle und KLAr Melle jetzt Anbauflächen von Wildpflanzen in Delbrück im Kreis Paderborn.

Bei einer Exkursion in Delbrück (Kreis Paderborn) stellte der Landwirt, Jäger und überzeugter Naturschützer Richard Schulte den Besuchern aus Melle sein seit mehreren Jahren umgesetztes Lösungskonzept vor: Natur und Umweltschutzmaßnahmen mit Hilfe von „Energie aus Wildpflanzen" mit den ökonomischen und rechtlichen Ansprüchen als Landwirt und Biogasanlagenbetreiber zu verbinden.

Eine für heutige Verhältnisse atemberaubende Vielfalt von mehrjährigen Wildpflanzen und Insekten unterstrichen beeindruckend die betriebswirtschaftlichen und ackerbaulichen Ausführungen von Richard Schulte und Werner Kuhn. Letzterer ist Berater des „Netzwerk Lebensraum Feldflur" und war extra aus Würzburg angereist. Er gilt als Pionier des Wildpflanzenanbaus in Deutschland und ist maßgeblich an der Entwicklung entsprechender Saatgutmischungen beteiligt.

Obwohl die Wildpflanzen noch nicht in voller Blüte standen, konnten sich alle Exkursionsteilnehmer von dem bereits jetzt vorhandenen Insektenreichtum überzeugen. Neben den Insekten waren auch zahlreiche Feldvögel auf den Flächen zu sehen. Wie bestellt stieg eine Feldlerche mit ihrem charakteristischen Gesang in den Delbrücker Himmel.

Beide Referenten zeigten eindrucksvoll die ökologischen Vorteile auf:

  • Nahrung und Deckung für Wildtiere im Sommer und im Winter
  • Längere Blühzeiten und große Blühflächen verbessern das Nahrungsangebot für Bienen und alle Insekten.
  • Blühmischungen werten das Landschaftsbild auf und erhöhen den Erholungs- und Erlebniswert einer Region deutlich.
  • Durch die Ernte ab Ende Juli wird die Gefahr von Mähverlusten bei Bodenbrütern und Jungtieren verringert.
  • Um die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten zu verhindern, werden in den Mischungen nur heimische Wildpflanzen verwendet.

Für den anbauenden Landwirt gibt es auch ökonomische Vorteile:

  • Wildpflanzenmischungen sind eine Dauerkultur mit einer Nutzungsdauer von fünf Jahren und mehr. Sie erfordern keine jährliche Bodenbearbeitung und Ansaat.
  • Auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel kann weitgehend verzichtet werden.
  • Der Bodenerosion wird entgegengewirkt und die Humusbilanz wird verbessert.
  • Keine Wildschäden durch Wildschweine.
  • Frühe Befahrbarkeit nach dem Winter durch höhere Lastfähigkeit des Bodens
  • Excelente Nährstoffbindung im Boden
  • Aussaat- und Erntezeitpunkt außerhalb von herbstlichen Zeit- und Witterungsproblemen.
  • Ordentliche Erträge auf Flächen möglich, bei denen klassische Nutzpflanzen eher schlechter abschneiden.

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass Wildpflanzen in erheblichem Umfang Stickstoff fixieren. Somit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Sicherung unseres Grundwassers. Zu diesem Thema läuft mit Unterstützung der Landesjägerschaft Niedersachsen ein dreijähriges Untersuchungsprojekt.

Trotz der aufgezeigten ökonomischen Vorteile besteht derzeit noch ein wirtschaftlicher Nachteil gegenüber dem Maisanbau. Die Akteure aus Melle waren sich nach der sehr eindrucksvollen Exkursion einig, den Wildpflanzenanbau in Melle voranzubringen. Hierbei ist es unerlässlich, den geringeren Erlös für den Landwirt auszugleichen. Auch hierzu gab Werner Kuhn wertvolle Anregungen.

Landwirte und Biogasanlagenbetreiber, die sich für den Anbau von Wildpflanzen zur Energiegewinnung interessieren, wenden sich bitte an den Kreislandvolkverband Melle, Tel. 05422 950213 oder an die KLAr Melle Geschäftsstelle, Tel. 05422 9289328.

Das Projekt „Kooperation Lebensraum- und Artenschutz Melle – Klar Melle" ist zu 80 % aus Mitteln des ELER-Fonds der Europäischen Union und Mitteln des Landes Niedersachsen finanziert.

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